Fast jeder Ratgeber zum Thema Low-Bridge-Brillen beginnt auf die gleiche Weise: Stellen Sie sich vor einen Spiegel, legen Sie einen Finger quer über den oberen Bereich Ihres Nasenrückens und prüfen Sie, ob er oberhalb oder unterhalb Ihrer Pupillen liegt. Als erster Anhaltspunkt ist dieser Test durchaus sinnvoll. Für die Frage, die sich die meisten Menschen tatsächlich stellen, ist er jedoch nicht besonders aussagekräftig. Denn meist geht es nicht darum: Ist mein Nasenrücken niedrig?, sondern vielmehr: Warum rutscht meine Brille ständig, und würde eine andere Fassung besser sitzen?
Dafür gibt es einen besseren Anhaltspunkt – und den tragen Sie bereits im Gesicht. Die Brille, die Sie gerade tragen, hat über Monate hinweg gezeigt, wie sie tatsächlich auf Ihrer Nase sitzt. Wo befindet sie sich morgens um 9 Uhr und wo nachmittags um 16 Uhr? An welchen Stellen hinterlässt sie Druckstellen? Wo berührt sie Ihr Gesicht, wenn Sie lächeln? All das liefert konkrete Hinweise auf die Passform und ist wesentlich aussagekräftiger als ein kurzer Blick in den Spiegel.
In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie diese Hinweise richtig deuten, was eine Brille mit Nasenpads für niedrige Nasenrücken bei der Passform tatsächlich verändert und – ein Punkt, der in vielen Ratgebern kaum erwähnt wird – wann Sie gar nicht weiter nach einer speziellen Low-Bridge-Passform suchen sollten, weil die Ursache Ihrer Probleme möglicherweise an einer ganz anderen Stelle der Brille liegt.

Was Low-Bridge-Brillen eigentlich sind
Low-Bridge-Brillen sind Fassungen, die speziell für Gesichter entwickelt wurden, bei denen der Nasenrücken auf Höhe der Pupillen oder darunter liegt und relativ flach verläuft. Dadurch bietet die Nase einer herkömmlichen Fassung weniger Halt.
Standardfassungen gehen bei ihrer Konstruktion von bestimmten anatomischen Voraussetzungen aus. Sie setzen einen stärker ausgeprägten Nasenrücken voraus, an dem die Nasenpads Halt finden. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass dieser Bereich hoch genug liegt, damit die Fassung darauf aufliegt, anstatt nach unten zu rutschen. Sind beide Voraussetzungen erfüllt, sorgen Reibung und die Neigung des Nasenrückens dafür, dass die Brille sicher sitzt. Bei einem niedrigen und flachen Nasenrücken fehlt dagegen ein großer Teil dieser Auflagefläche. Die Fassung rutscht deshalb so weit nach unten, bis sie an einer anderen Stelle gestoppt wird – häufig an den Wangen.
Bei einer Low-Bridge-Fassung werden vor allem drei Konstruktionsmerkmale angepasst. Jedes davon löst einen anderen Teil des Passformproblems.
Die Nasenpads sitzen tiefer und weiter auseinander. Bei Metall- oder Titanfassungen befinden sich die Nasenpads an verstellbaren Pad-Armen. Längere Pad-Arme ermöglichen es, die Auflageflächen weiter unten an den Seiten der Nase zu positionieren. Dort steht mehr Kontaktfläche zur Verfügung und die Fassung findet besseren Halt, anstatt nur auf dem flachen Bereich zwischen den Augen aufzuliegen. Eine solche Brille mit Nasenpads lässt sich zudem gezielter an die individuelle Nasenform anpassen. Bei Acetatfassungen gibt es dagegen normalerweise keine separaten Pad-Arme. Hier muss die entsprechende Anpassung direkt in den Steg integriert werden – beispielsweise durch größere und stärker ausgeformte Auflageflächen anstelle eines schmalen, flachen Stegs.
Die pantoskopische Neigung wird reduziert. Damit ist der Winkel gemeint, in dem sich die Fassungsfront nach unten hin zum Gesicht neigt. Bei herkömmlichen Fassungen liegt dieser Winkel häufig bei etwa 8 bis 12 Grad. Bei einem ausgeprägten Nasenrücken, auf dem die Brille weiter vom Gesicht entfernt sitzt, hat diese Neigung optische und ergonomische Vorteile. Bei einem niedrigen Nasenrücken sitzt die Fassung jedoch ohnehin näher am Gesicht. Die gleiche Neigung kann deshalb dazu führen, dass der untere Fassungsrand direkt auf den Wangenknochen aufliegt. Low-Bridge-Fassungen reduzieren diesen Winkel, um mehr Abstand zu schaffen.
Die Frontkurve ist flacher. Bei stärker gewölbten Fassungen verlaufen die äußeren Bereiche der Front in Richtung der Wangen nach hinten. Eine flachere Fassungsfront schafft genau dort zusätzlichen Abstand, wo Brillen bei einem niedrigen Nasenrücken besonders häufig mit den Wangen oder Wangenknochen in Kontakt kommen.
Einige Hersteller nehmen noch eine vierte Anpassung vor: Die Bügel werden leicht nach außen gewölbt. Dadurch kann der seitliche Druck an den Schläfen reduziert werden. Dieses Merkmal findet sich allerdings nicht bei allen Low-Bridge-Fassungen und löst ein anderes Passformproblem. Es ist daher durchaus sinnvoll, darauf zu achten, gehört aber nicht zu den grundlegenden Merkmalen einer Low-Bridge-Brille.

Der Aspekt, über den selten gesprochen wird: Eine verrutschende Brille verändert Ihre Sehstärke
Die meisten Artikel behandeln das Verrutschen einer Brille vor allem als Komfortproblem. Dabei kann es auch die optische Wirkung der Gläser beeinflussen. Wer versteht, warum das passiert, erkennt den Unterschied zwischen „Diese Brille nervt“ und „Deshalb fühlen sich meine Augen am Nachmittag so angestrengt an“.
Wenn eine Brille auf der Nase nach unten rutscht, passieren vor allem zwei Dinge.
Das Brillenglas entfernt sich vom Auge. Der Abstand zwischen der Rückfläche des Brillenglases und der Vorderseite der Hornhaut wird als Scheitelabstand bezeichnet. Bei einer korrekt angepassten Brille liegt er in der Regel bei etwa 12 bis 14 mm. Vergrößert sich dieser Abstand, verändert sich die effektive Wirkung des Brillenglases: Ein Minusglas verliert an wirksamer Brechkraft, wenn es sich weiter vom Auge entfernt, während die effektive Wirkung eines Plusglases zunimmt. Bei höheren Korrektionswerten lässt sich dieser Unterschied deutlich messen. Ein Glas mit −10,00 dpt, das etwa 5 mm weiter vom Auge entfernt sitzt, wirkt beispielsweise eher wie ein Glas mit ungefähr −9,52 dpt. Relevant wird dieser Effekt insbesondere bei höheren Sehstärken ab etwa ±4,00 Dioptrien.
Daraus lassen sich zwei typische Alltagserfahrungen erklären. Wenn Sie kurzsichtig sind und unmittelbar etwas schärfer sehen, nachdem Sie Ihre Brille wieder nach oben auf die richtige Position geschoben haben, bilden Sie sich das nicht ein: Sie stellen damit den vorgesehenen Abstand zwischen Auge und Brillenglas wieder her. Und wenn Sie eine Lesebrille tragen und sie zum Lesen sehr kleiner Schrift schon einmal etwas weiter nach unten auf die Nase geschoben haben, nutzen Sie den gleichen Effekt in umgekehrter Richtung – durch den größeren Abstand erhöht sich die effektive Pluswirkung geringfügig.
Ihre Pupille befindet sich nicht mehr auf der vorgesehenen Höhe des optischen Mittelpunkts. Jedes Brillenglas wird so gefertigt und zentriert, dass Ihre Blicklinie durch einen bestimmten Bereich des Glases verläuft. Verschiebt sich die Fassung, schauen Sie durch eine andere Stelle des Glases. Dadurch kann eine prismatische Wirkung entstehen: Das Licht wird geringfügig abgelenkt und das wahrgenommene Bild räumlich verschoben. Die Stärke dieses Effekts lässt sich mit der sogenannten Prentice-Regel berechnen: Dezentration in Zentimetern multipliziert mit der Brechkraft des Glases in Dioptrien.
Haben beide Augen eine ähnliche Sehstärke, fällt die prismatische Verschiebung auf beiden Seiten ähnlich aus und wird häufig relativ gut toleriert. Problematischer kann es bei deutlich unterschiedlichen Korrektionswerten werden. Angenommen, das rechte Auge hat −1,00 dpt und das linke −4,00 dpt, während die Brille 5 mm tiefer sitzt als vorgesehen. Rechts entstehen dann etwa 0,5 Prismendioptrien, links etwa 2,0 Prismendioptrien. Das ergibt eine vertikale Differenz von rund 1,5 Prismendioptrien zwischen beiden Augen, die das visuelle System ausgleichen muss. Eine solche vertikale prismatische Differenz kann zu Augenbelastung und Kopfschmerzen beitragen – obwohl von außen möglicherweise lediglich auffällt, dass die Brille etwas zu tief sitzt.
Bei Gleitsichtbrillen kommt ein drittes Problem hinzu. Gleitsichtgläser besitzen einen relativ schmalen Progressionskanal, in dem sich die Glasstärke vom Fern- über den Zwischen- bis zum Nahbereich verändert. Seine Position wird bei der Zentrierung auf die vorgesehene Position Ihrer Augen abgestimmt. Rutscht die Fassung nach unten, verschieben sich auch diese Sehbereiche. Der Nahbereich kann dadurch tiefer liegen als vorgesehen. Viele Brillenträger gleichen das unbewusst aus, indem sie den Kopf nach hinten neigen. So können eine ständig rutschende Brille und Nackenverspannungen gleichzeitig auftreten, ohne dass die Verbindung zwischen beiden sofort auffällt.
Genau deshalb kann bei einem niedrigen oder flachen Nasenrücken eine gut angepasste Brille mit Nasenpads sinnvoll sein. Entscheidend ist nicht nur, dass die Brille angenehmer sitzt: Die Nasenpads können dazu beitragen, die Fassung stabiler in der vorgesehenen Position zu halten, sodass Scheitelabstand, Zentrierung und – bei Gleitsichtgläsern – die Position der Sehbereiche möglichst konstant bleiben.
Eine rutschende Brille bedeutet dabei nicht, dass Ihre Augen dadurch geschädigt werden. Vielmehr kann die optische Korrektur nicht mehr exakt unter den Bedingungen wirken, für die die Gläser angepasst und zentriert wurden. Die Augenbelastung, die Sie bislang vielleicht ausschließlich auf lange Bildschirmzeiten zurückgeführt haben, kann daher zumindest teilweise eine ganz mechanische Ursache haben: eine Brille, die nicht stabil an der richtigen Stelle auf der Nase sitzt.

Was Ihre aktuelle Brille Ihnen bereits verraten hat
Hier kommen die konkreten Hinweise ins Spiel. Vier Beschwerden treten besonders häufig auf – und jede davon deutet auf eine andere Ursache hin. Zwei sprechen meist für ein Problem mit der Passform am Nasensteg, während die anderen beiden häufig eine ganz andere Ursache haben.
Die Brille rutscht innerhalb einer Stunde nach unten
Das ist ein klassisches Anzeichen dafür, dass die Fassung nicht optimal zu einem niedrigen Nasenrücken passt. Allerdings kommen mindestens drei verschiedene Ursachen infrage – und sie lassen sich voneinander unterscheiden.
Schieben Sie Ihre Brille zunächst wieder nach oben und beobachten Sie, wie lange sie dort bleibt. Beginnt sie fast sofort und kontinuierlich nach unten zu rutschen, bietet der Nasensteg wahrscheinlich nicht genügend Halt. In diesem Fall liegt das Problem tatsächlich an der Passform im Nasenbereich.
Bleibt die Brille dagegen zunächst an ihrem Platz und rutscht erst plötzlich, wenn Sie nach unten schauen oder sich schnell bewegen, liegt die Ursache häufig hinter den Ohren: Die Brillenbügel können sich mit der Zeit verformt oder gelockert haben und bieten dann nicht mehr genügend Halt.
Bei einer hohen Sehstärke in Kombination mit einer großen Fassung kann wiederum das Gewicht eine entscheidende Rolle spielen. Dickere oder schwerere Gläser verlagern den Schwerpunkt der Brille nach vorne. Selbst eine optimal angepasste Stegform kann dieses zusätzliche Gewicht nicht vollständig ausgleichen.
Mit einem einfachen Test können Sie die Ursachen besser unterscheiden: Setzen Sie die Brille auf und neigen Sie den Kopf nach vorne, als würden Sie ein Buch lesen, das auf einem Tisch liegt. Rutscht oder fällt die Brille dabei sofort nach vorne, bieten wahrscheinlich die Bügel zu wenig Halt. Bleibt sie beim Vorbeugen sitzen, bewegt sich aber bei aufrechter Kopfhaltung langsam nach unten, spricht das eher für ein Problem mit dem Nasensteg.
Die Brillengläser berühren beim Lächeln die Wangen
Dieses Anzeichen ist besonders aussagekräftig. Ob die Brille die Wangen berührt, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: von der Neigung der Fassungsfront zum Gesicht und von der Höhe der Brillengläser. Genau diese Merkmale werden bei Fassungen für niedrige Nasenrücken häufig angepasst.
Beschlagen Ihre Gläser regelmäßig von unten, sammelt sich Make-up am unteren Fassungsrand oder hebt sich die Brille sichtbar an, wenn Sie lächeln, ist häufig eine zu starke Neigung der Fassungsfront die Ursache. Eine flachere Front kann hier mehr Abstand zwischen Brille und Wangen schaffen.
Auch ausgeprägte Wangenknochen können dieses Problem verursachen, selbst wenn der Nasenrücken gar nicht besonders niedrig ist. Deshalb sollte der Kontakt mit den Wangen als eigenständiges Passformsignal betrachtet werden und nicht automatisch als Hinweis auf einen niedrigen Nasenrücken.
Die Wimpern berühren die Innenseite der Brillengläser
Dafür gibt es zwei unterschiedliche Ursachen – und sie erfordern unterschiedliche Lösungen.
Sitzt die Fassung grundsätzlich zu nah am Gesicht, ist der Abstand zwischen Auge und Brillenglas zu gering. Das kann beispielsweise passieren, wenn eine Fassung mit zu geringer Stegtiefe sehr dicht auf der Nase sitzt. In diesem Fall wird mehr Abstand benötigt. Eine gut angepasste Brille mit Nasenpads kann hier von Vorteil sein, da sich die Position der Fassung über die Nasenpads gezielter einstellen und mehr Abstand zum Gesicht schaffen lässt.
Ist die Brille dagegen lediglich so weit nach unten gerutscht, dass Ihre Augen durch einen höheren Bereich der Gläser blicken, besteht die Lösung darin, das Verrutschen zu verhindern.
Entscheidend ist daher, wann Ihre Wimpern die Gläser berühren. Passiert es unmittelbar nach dem Aufsetzen der sauberen Brille, fehlt wahrscheinlich Abstand zum Gesicht. Tritt das Problem erst später am Tag auf, deutet es eher darauf hin, dass die Fassung nach und nach herunterrutscht.
Rote Stellen, Druckstellen oder Schmerzen an der Nase
Nicht allein das Vorhandensein einer Druckstelle ist entscheidend, sondern vor allem ihre Position.
Befinden sich die Abdrücke weit oben an den Seiten der Nase, nahe den inneren Augenwinkeln, liegen die Nasenpads möglicherweise auf einem schmalen Bereich des oberen Nasenrückens auf. Dadurch konzentriert sich ein großer Teil des Brillengewichts auf eine relativ kleine Fläche. Das spricht deutlich für ein Passformproblem im Bereich des Nasenstegs und kann ein guter Grund sein, eine speziell für niedrige Nasenrücken konzipierte Fassung zu wählen.
Liegen die Druckstellen dagegen weiter unten und verteilen sich über eine größere Fläche, ist häufig eher das Gesamtgewicht der Brille das Problem. In diesem Fall kann eine leichtere Fassung oder eine kleinere Glasgröße sinnvoller sein als eine andere Stegform.

Wo der Spiegeltest tatsächlich ins Spiel kommt

Die Zahl im Inneren Ihrer Brille misst das Falsche
Schauen Sie auf die Innenseite des linken Brillenbügels Ihrer aktuellen Brille. Dort finden Sie normalerweise eine Zahlenkombination wie 52–18–140. Diese Werte stehen – jeweils in Millimetern – für Glasbreite, Stegbreite und Bügellänge. Besonders häufig wird empfohlen, auf die Stegbreite zu achten, in diesem Beispiel also auf die 18. Dieser Wert ist tatsächlich hilfreich: Wenn Ihre Brille regelmäßig nach unten rutscht und die Stegbreite 17 mm oder weniger beträgt, kann eine Fassung mit 18 oder 19 mm Stegbreite unter Umständen besser sitzen.
Entscheidend ist jedoch, was dieser Wert überhaupt misst. Die Stegbreite beschreibt im Wesentlichen den horizontalen Abstand zwischen den beiden Gläsern. Bei einem niedrigen Nasenrücken liegt das eigentliche Passformproblem dagegen häufig in der vertikalen Geometrie: Wie tief sitzt die Fassung? Wie weit reichen die Nasenpads nach unten? Wie weit wird die Fassungsfront vom Gesicht entfernt gehalten? Diese Maße finden Sie normalerweise nicht auf dem Brillenbügel. Genau deshalb lässt sich allein anhand der Stegbreite nur schwer vorhersagen, ob eine Fassung bei einem niedrigen Nasenrücken wirklich gut sitzt. Selbst wer die angegebenen Maße sorgfältig prüft, kann deshalb bei einer Brille landen, die trotzdem rutscht.
Stattdessen gibt es zwei Merkmale, auf die Sie achten können. Beide lassen sich bei guten Produktfotos bereits vor dem Kauf erkennen.
Bei Metall- und Titanfassungen sollten Sie sich die Pad-Arme genauer ansehen. Kurze Pad-Arme halten die Nasenpads relativ nah an der Fassungsfront und bieten nur begrenzten Spielraum für Anpassungen. Längere Pad-Arme ermöglichen dagegen eine deutlich flexiblere Positionierung. Ein Optiker kann die Pads beispielsweise weiter nach unten oder außen einstellen, sodass sie dort aufliegen, wo die Nase breiter ist und mehr Halt bietet.
Gerade diese Anpassungsmöglichkeit macht eine Brille mit Nasenpads bei einem niedrigen Nasenrücken häufig zu einer praktischen Lösung – selbst wenn die betreffende Fassung vom Hersteller gar nicht ausdrücklich als „Low Bridge Fit“ angeboten wird. Die Position der Nasenpads gehört zu den am flexibelsten anpassbaren Faktoren einer Brillenfassung.
Bei Acetatfassungen sollten Sie stattdessen auf die Form des Nasenstegs achten. Ein Sattelsteg bildet eine durchgehende Kurve zwischen den beiden Gläsern und liegt großflächiger auf dem oberen Bereich der Nase auf. Dafür benötigt er jedoch einen ausreichend ausgeprägten Nasenrücken. Bei einem sehr flachen Nasenrücken kann ihm die notwendige Auflage und damit der Halt fehlen.
Ein Schlüssellochsteg (Keyhole Bridge) funktioniert anders. Seinen Namen verdankt er seiner charakteristischen Form: Der Steg wölbt sich über den oberen Bereich des Nasenrückens und verlagert einen größeren Teil der Auflage auf die seitlichen Bereiche der Nase. Dadurch verteilt sich das Gewicht anders. Bei einem niedrigen oder flacheren Nasenrücken kann diese Konstruktion deshalb deutlich besser funktionieren als ein klassischer Sattelsteg.
Der Schlüssellochsteg ist keineswegs eine neue oder besonders aufwendige Konstruktion. Er existiert schon lange und verursacht nicht automatisch zusätzliche Kosten. Trotzdem wird dieses Detail in vielen Kaufberatungen für Brillen bei niedrigem Nasenrücken kaum erwähnt – obwohl es bei Acetatfassungen einen erheblichen Unterschied für die Passform machen kann.

„Asian Fit“, „Alternative Fit“, „Omni Fit“
Beim Kauf von Brillen für niedrige Nasenrücken werden Ihnen verschiedene Bezeichnungen begegnen – etwa „Low Bridge Fit“ oder der ältere Begriff „Asian Fit“. Gemeint ist damit im Wesentlichen dasselbe Passformkonzept. Die Bezeichnung „Asian Fit“ entstand, weil ein niedrigerer beziehungsweise flacherer Nasenrücken statistisch in einigen ostasiatischen Bevölkerungsgruppen häufiger vorkommt.
Als Produktbezeichnung ist der Begriff allerdings wenig präzise, denn er beschreibt eine Personengruppe und nicht die anatomischen Merkmale, auf die es bei der Passform tatsächlich ankommt. Viele Menschen ostasiatischer Herkunft haben einen ausgeprägten Nasenrücken, während gleichzeitig viele Menschen mit niedrigem Nasenrücken keinen ostasiatischen Hintergrund haben. Die individuelle Gesichts- und Nasenform lässt sich daher nicht zuverlässig aus einer solchen Bezeichnung ableiten.
Für die Wahl einer passenden Fassung sind konkrete Merkmale wesentlich hilfreicher: etwa die Form und Höhe des Nasenrückens, die Stegbreite, die Position der Auflageflächen sowie bei einer Brille mit Nasenpads deren Form und Einstellmöglichkeiten.
Für die praktische Suche nach einer neuen Brille kann der ältere Begriff dennoch nützlich sein. Einige Händler führen entsprechende Fassungen weiterhin unter „Asian Fit“. Wenn die Auswahl unter „Low Bridge Fit“ auf einer Website klein erscheint, kann eine zusätzliche Suche nach der älteren Bezeichnung deshalb weitere passende Modelle anzeigen.
Es lohnt sich also, beide Begriffe zu kennen – nicht weil „Asian Fit“ die Gesichtsform besonders treffend beschreibt, sondern weil die Bezeichnung in manchen Onlineshops weiterhin zur Kategorisierung entsprechender Fassungen verwendet wird.

Wer keine Low-Bridge-Brille braucht
Genau dieser Punkt fehlt in vielen Ratgebern zu diesem Thema. Deshalb hier ganz klar: Drei häufige Probleme sehen zunächst nach einem Problem mit dem Nasensteg aus, haben aber oft eine ganz andere Ursache.
Fassungsbreite. Drücken die Bügel seitlich gegen den Kopf, hinterlässt die Fassung Druckstellen vor den Ohren oder sitzen Ihre Augen deutlich näher an den inneren Glasrändern als in der Mitte der Gläser, ist die Fassung wahrscheinlich zu schmal für Ihr Gesicht. Eine Low-Bridge-Konstruktion verändert die Breite der Brille nicht. In diesem Fall benötigen Sie eine breitere Fassung mit einem größeren Abstand von Bügel zu Bügel – nicht unbedingt eine andere Stegform oder eine Brille mit Nasenpads.
Gewicht. Ist eine Brille tatsächlich zu schwer, kann sie trotz eines gut angepassten Nasenstegs nach unten rutschen. Ein hohes Gewicht entsteht häufig durch eine große Fassung aus einem schwereren Material oder durch eine hohe Sehstärke in Kombination mit großen Brillengläsern. Bei Minusgläsern nimmt die Randdicke mit zunehmendem Glasdurchmesser deutlich zu. Eine größere Fassung bedeutet deshalb bei stärkeren Korrektionswerten nicht nur etwas, sondern unter Umständen erheblich mehr Gewicht. Die bessere Lösung ist dann eine kleinere oder leichtere Fassung beziehungsweise – je nach Sehstärke – ein höherbrechendes Glas mit einem höheren Brechungsindex, nicht einfach eine andere Stegkonstruktion.
Einstellung der Brillenbügel. Brillenbügel können sich mit der Zeit nach außen verformen – besonders wenn die Brille regelmäßig mit nur einer Hand abgenommen wird. Dadurch kann selbst eine ursprünglich perfekt angepasste Fassung plötzlich anfangen zu rutschen. Ein Optiker kann die Bügel normalerweise innerhalb weniger Minuten wieder anpassen. Lassen Sie deshalb zunächst den Sitz und die Einstellung Ihrer aktuellen Brille überprüfen, bevor Sie allein wegen des Verrutschens eine neue Fassung kaufen.

Ein Hinweis zu Kindern
Der Nasenrücken entwickelt sich im Laufe des Wachstums weiter. Deshalb ist ein niedriger beziehungsweise flacher Nasenrücken bei kleinen Kindern sehr häufig. Das ist auch einer der Gründe, warum Kinderbrillen so leicht nach unten rutschen. Viele speziell für Kinder entwickelte Fassungen verfügen daher über stärker ausgeformte, integrierte Auflageflächen, rutschhemmende Silikonelemente oder sogenannte Kabelbügel, die sich hinter dem Ohr stärker herumlegen und so zusätzlichen Halt bieten.
Wenn Sie eine Brille für ein Kind kaufen, lohnt es sich deshalb, auf Merkmale für einen sicheren Sitz bei niedrigem Nasenrücken grundsätzlich zu achten und sie nicht nur als Sonderlösung zu betrachten. Je nach Fassung kann auch eine Brille mit Nasenpads sinnvoll sein, sofern die Pads zur Nasenform des Kindes passen und fachgerecht eingestellt werden können.
Besonders wichtig ist eine professionelle Anpassung der Fassung durch einen Optiker. Wenn eine Kinderbrille ständig nach unten rutscht und das Kind dadurch überwiegend durch den oberen Randbereich der Brillengläser schaut, ist das nicht nur eine Frage des Aussehens oder des Tragekomforts. Die Gläser befinden sich dann nicht mehr in der vorgesehenen Position vor den Augen, wodurch die optische Korrektur beeinträchtigt werden kann.
Low-Bridge-Brillen online kaufen
Beim Online-Kauf einer Brille sollten Sie vor allem eines wissen: Die meisten Passformprobleme lassen sich in der Seitenansicht erkennen – von vorne dagegen kaum. Eine Fassung, die später auf Ihren Wangenknochen aufliegt, kann frontal betrachtet vollkommen passend wirken. Nutzen Sie deshalb bei der virtuellen Anprobe nach Möglichkeit auch die Seitenansicht. Achten Sie dabei besonders auf den Abstand zwischen dem unteren Fassungsrand und Ihrer Wange. Ist dort kaum oder gar kein Abstand vorhanden, wird die Brille beim Lächeln wahrscheinlich die Wangen berühren.
Verstellbare Nasenpads bei Metallfassungen bieten zusätzlichen Spielraum bei der Anpassung. Eine Metall- oder Titanfassung mit ausreichend langen Pad-Armen lässt sich bei vielen niedrigen Nasenrücken individuell einstellen. Eine solche Brille mit Nasenpads hat deshalb den Vorteil, dass die Passform nicht bereits ab Werk perfekt sein muss: Die Position der Pads kann nachträglich angepasst werden, um einen stabileren Sitz und ausreichend Abstand zum Gesicht zu erreichen.
Bei Acetatfassungen ist diese Art der Anpassung nicht möglich. Hier muss die Form des Nasenstegs bereits beim Kauf zur Nase passen. Achten Sie deshalb eher auf einen Schlüssellochsteg (Keyhole Bridge) oder einen tiefer ausgeformten, integrierten Nasensteg als auf einen flachen Sattelsteg.
Neben der Fassung selbst sind zwei weitere Punkte wichtig. Erstens sollte Ihre Pupillendistanz (PD) möglichst genau bestimmt werden. Der zuvor beschriebene prismatische Effekt kann sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung auftreten. Eine falsche PD in Kombination mit einer ständig verrutschenden Brille kann die Abweichung zusätzlich verstärken und zu spürbarem Sehkomfortverlust führen.
Zweitens sollten Sie sich die Rückgabe- und Umtauschbedingungen vor der Bestellung ansehen und nicht erst danach. Gerade bei der Passform am Nasensteg kann es vorkommen, dass erst beim tatsächlichen Tragen deutlich wird, ob eine Fassung dauerhaft richtig sitzt. Ein unkomplizierter Umtausch gibt Ihnen daher zusätzliche Sicherheit, falls der erste Versuch nicht optimal passt.
Bei Aoolia finden Sie auf der Produktseite jeder Low-Bridge-Fassung konkrete Angaben wie Stegbreite, Nasenpad-Typ und Länge der Pad-Arme, anstatt lediglich allgemeine Aussagen über den Tragekomfort. Darüber hinaus wird jede Bestellung mit Sehstärke vor der Fertigung der Brillengläser von einem unserer Optiker überprüft.
Damit lässt sich beim Online-Kauf nicht jede Unsicherheit vollständig ausschließen. Aber zumindest der Teil, der sich anhand konkreter Fassungsdaten beurteilen lässt, muss kein Ratespiel mehr sein.

Die Kurzfassung
Low-Bridge-Brillen sind speziell für einen Nasenrücken konzipiert, der auf Höhe der Pupillen oder darunter liegt. Typische Merkmale sind tiefer und weiter positionierte Nasenpads, eine geringere pantoskopische Neigung und eine flachere Fassungsfront. Eine entsprechend angepasste Brille mit Nasenpads kann sinnvoll sein, wenn Ihre aktuelle Brille bei aufrechter Kopfhaltung ständig nach unten rutscht, beim Lächeln auf den Wangen aufliegt oder deutliche Druckstellen weit oben an den Seiten der Nase hinterlässt.
Nicht immer liegt die Ursache jedoch am Nasensteg. Drückt die Fassung an den Schläfen, fühlt sie sich insgesamt zu schwer an oder haben sich lediglich die Bügel im Laufe der Zeit verstellt, ist eine Low-Bridge-Fassung wahrscheinlich nicht die richtige Lösung.
Dabei geht es nicht nur um den Tragekomfort. Eine Brille sollte möglichst in der Position sitzen, für die ihre Gläser angepasst und zentriert wurden. Erst bei einem stabilen und korrekt angepassten Sitz kann Ihre Sehstärke so wirken, wie sie vorgesehen ist.
