Die meisten Menschen begegnen dem Begriff „Prisma“ nur zweimal im Leben. Das erste Mal im Physikunterricht, wenn ein Glasprisma Sonnenlicht in seine Regenbogenfarben aufspaltet. Das zweite Mal beim Sehtest, wenn der Augenarzt sagt: „Wir werden ein kleines Prisma in Ihre Prismenbrille einarbeiten.“
Beides hat zwar denselben physikalischen Ursprung, doch die Verbindung führt oft zu Missverständnissen. Eine Prismenbrille ist weder getönt noch erzeugt sie bunte Effekte. Von außen sieht sie aus wie jede andere Brille. Ihr eigentlicher Zweck ist deutlich subtiler: Sie verschiebt das Bild der Umgebung um einen exakt berechneten Betrag, bevor es Ihr Auge erreicht.
Genau darauf basiert die Wirkung einer Prismenbrille. Alles Weitere ergibt sich aus diesem einfachen Prinzip.

Zwei unterschiedliche Aufgaben, die ein Brillenglas erfüllen kann
Ein herkömmliches Brillenglas erfüllt genau eine Aufgabe – und die kennt jeder: Es korrigiert den Fokus. Trifft das Licht aufgrund Ihrer Fehlsichtigkeit nicht exakt auf die Netzhaut, bündelt oder streut das Brillenglas die Lichtstrahlen so, dass ein scharfes Bild entsteht. Genau das beschreiben die Werte für SPH, CYL und Achse auf Ihrem Brillenrezept.
Bei einer Prismenbrille geht es jedoch nicht um den Fokus.
Ein prismenkorrigiertes Brillenglas lenkt das Licht gezielt zur Seite. Die Schärfe des Bildes bleibt unverändert – nur seine Position verändert sich. Während die Dioptrienwerte Ihrer Sehstärke mit dem Fokusring eines Projektors vergleichbar sind, verschiebt eine Prismenbrille das gesamte projizierte Bild um einen präzise berechneten Betrag nach links, rechts, oben oder unten.
Genau dieser Unterschied sorgt häufig für Verwirrung. Die meisten Menschen verbinden Brillen damit, schärfer zu sehen. Eine Prismenbrille macht das Bild jedoch nicht schärfer – sie verschiebt es an die richtige Stelle, damit beide Augen wieder ein gemeinsames Bild wahrnehmen können.

Warum sollte man das Bild überhaupt verschieben wollen?
Damit wir nur ein einziges Bild wahrnehmen, müssen beide Augen exakt auf denselben Punkt ausgerichtet sein. Ist das nicht der Fall, können zwei unterschiedliche Situationen entstehen.
Die offensichtlichste ist das Doppeltsehen (Diplopie). Blicken beide Augen leicht aneinander vorbei, erhält das Gehirn zwei unterschiedliche Bilder. Kann es diese nicht zu einem einzigen Bild verschmelzen, nimmt man beide gleichzeitig wahr.
Häufiger ist jedoch eine weniger offensichtliche Form der Fehlstellung. Die Augen sind nur geringfügig gegeneinander verschoben, doch das Gehirn unterdrückt die Doppelbilder und zwingt beide Augen mithilfe der Augenmuskeln dauerhaft zur Zusammenarbeit. Sie sehen also keine Doppelbilder – aber Ihre Augen müssen den ganzen Tag Höchstleistungen erbringen.
Typische Beschwerden sind Kopfschmerzen am Nachmittag, Schwierigkeiten beim Lesen, das wiederholte Lesen derselben Zeile, flimmernde oder scheinbar wandernde Buchstaben sowie eine schnelle Ermüdung bei der Bildschirmarbeit. Manche Menschen fühlen sich außerdem in visuell komplexen Umgebungen unwohl – etwa in langen Supermarktgängen oder beim nächtlichen Autofahren.
Dabei begegnen Ihnen häufig zwei Fachbegriffe:
Manifestes Schielen (Tropie): Die Augenfehlstellung besteht dauerhaft und ist häufig auch für andere sichtbar.
Latentes Schielen (Phorie): Die Fehlstellung bleibt im Alltag verborgen. Beide Augen halten ihre Ausrichtung normalerweise aufrecht und weichen erst dann voneinander ab, wenn das beidäugige Sehen kurz unterbrochen wird – genau das überprüft der Augenarzt oder Augenoptiker beim Abdecktest.
Eine Phorie ist weit verbreitet und in den meisten Fällen harmlos. Eine leichte Phorie ohne Beschwerden muss in der Regel nicht behandelt werden. Relevant wird sie erst dann, wenn Ihre Augen ständig Kraft aufwenden müssen, um die Fehlstellung auszugleichen.
Genau hier setzt eine Prismenbrille an. Anstatt die Augenmuskeln dauerhaft arbeiten zu lassen, verschiebt sie das Bild optisch in die richtige Position. Das Auge muss nicht länger nach dem Bild „suchen“, wodurch sich die Augen entspannen und das beidäugige Sehen deutlich angenehmer wird.

Der Wert: Warum Δ kein D ist
Der wohl wichtigste Fakt zum Thema Prismenbrille wird erstaunlich selten verständlich erklärt.
Die Prismenwirkung wird in sogenannten Prismendioptrien (Δ) gemessen. Eine Prismendioptrie (1 Δ) verschiebt ein Bild auf einer Entfernung von einem Meter um einen Zentimeter zur Seite. Zwei Prismendioptrien (2 Δ) verschieben es um zwei Zentimeter auf einen Meter. Die Verschiebung nimmt proportional mit der Entfernung zu.
Eine Verordnung über 2 Δ – ein sehr häufiger und völlig normaler Wert – verschiebt das Bild auf Armlänge also nur um wenige Zentimeter. Das klingt zunächst nach einer kaum wahrnehmbaren Veränderung. In der Praxis kann genau dieser kleine Unterschied jedoch entscheidend sein: Er trennt oft Menschen, die jeden Nachmittag unter Kopfschmerzen oder Augenbelastung leiden, von denen, die beschwerdefrei sehen. Genau deshalb kann eine korrekt angepasste Prismenbrille einen spürbaren Unterschied im Alltag machen.
Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen den beiden Angaben auf Ihrem Brillenrezept: Das Symbol Δ in einer Angabe wie „2 Δ Basis innen“ beschreibt ausschließlich die Prismenwirkung. Die Einheit D in „−3,00 dpt“ steht dagegen für die Brechkraft des Brillenglases (Dioptrien). Obwohl beide Werte auf derselben Verordnung stehen, messen sie völlig unterschiedliche Eigenschaften.
So kann eine Prismenbrille eine hohe Sehstärke, aber keinerlei Prismenwirkung besitzen – oder umgekehrt: nur eine geringe Fehlsichtigkeit, jedoch eine klinisch relevante Prismenkorrektur. Deshalb sollten beide Werte stets unabhängig voneinander beurteilt werden.
Wie kommt man eigentlich zu einer Prismenverordnung?
Wann wird eine Prismenbrille verordnet?
Eine Prismenbrille kann aus unterschiedlichen Gründen verordnet werden – und die Ursache ist oft wichtiger als die Bezeichnung auf dem Brillenrezept.
Bei der routinemäßigen Augenuntersuchung
Manche Menschen kommen lediglich für eine neue Brille zum Augenarzt oder Augenoptiker und erwähnen beiläufig, dass sie nachmittags häufig unter Kopfschmerzen leiden. Erst die Untersuchung des beidäugigen Sehens zeigt eine latente Augenfehlstellung (Phorie), die diese Beschwerden erklärt. In solchen Fällen werden häufig kleine Prismenkorrekturen von etwa 1 Δ bis 3 Δ direkt in das Brillenrezept aufgenommen.
Mit zunehmender Alterssichtigkeit (Presbyopie)
Ab etwa dem 45. Lebensjahr lässt die Fähigkeit nach, die Augen beim Lesen oder anderen Naharbeiten präzise aufeinander auszurichten. Deshalb wird bei manchen Menschen eine geringe Basis-innen-Prismenkorrektur in eine Lesebrille oder den Nahbereich einer Gleitsichtbrille integriert, um die Augen zu entlasten.
Nach einer Gehirnerschütterung oder einem Schlaganfall
Eine Gehirnerschütterung oder ein Schlaganfall kann die Zusammenarbeit beider Augen beeinträchtigen. In der neurooptometrischen Rehabilitation gehört die Prismenbrille zu den bewährten Behandlungsmöglichkeiten und wird häufig mit einer Sehtherapie kombiniert – nicht als Ersatz, sondern als ergänzende Maßnahme.
Bei Augenmuskel- oder Nervenerkrankungen
Auch Augenmuskel- oder Hirnnervenlähmungen, eine endokrine Orbitopathie (Schilddrüsenerkrankung der Augen) oder ein langjähriges Schielen können eine Prismenkorrektur erforderlich machen. In diesen Fällen erfolgt die Behandlung in der Regel durch einen Augenarzt. Eine Prismenbrille kann dabei vor einer Operation, nach einem Eingriff oder auch dauerhaft Teil der Therapie sein.
Bei Kindern
Augenfehlstellungen im Kindesalter stellen einen eigenen medizinischen Fachbereich dar und werden überwiegend von Kinderaugenärzten betreut. Je nach Ursache kommen Okklusionstherapie (Abkleben), Operationen, Sehtraining sowie eine optische Korrektur infrage. Eine Prismenbrille für Kinder sollte niemals ohne augenärztliche Untersuchung oder auf Grundlage einer Online-Selbsteinschätzung bestellt werden.

Wann Sie nicht auf eine Prismenbrille warten sollten
Es gibt Situationen, in denen eine Prismenbrille zunächst nicht die richtige Lösung ist. Tritt plötzlich innerhalb weniger Stunden oder Tage Doppelbilder (Diplopie) auf – insbesondere in Verbindung mit einem herabhängenden Augenlid, starken Kopfschmerzen, Augenschmerzen oder einer Schwäche im Gesicht, Arm oder Bein –, sollten Sie noch am selben Tag ärztlich untersucht werden.
Plötzlich auftretende Doppelbilder können auf eine ernsthafte neurologische oder augenärztliche Erkrankung hinweisen und erfordern eine sofortige medizinische Abklärung. In solchen Fällen steht zunächst die Diagnose und Behandlung der Ursache im Vordergrund – nicht die Versorgung mit einer Brille.
Erst wenn die zugrunde liegende Ursache geklärt ist, kann entschieden werden, ob eine Prismenbrille als Teil der Behandlung sinnvoll ist. Falls eine Prismenkorrektur erforderlich ist, kann sie jederzeit zu einem späteren Zeitpunkt angepasst werden.
Kompensationsprisma oder Trainingsprisma?
Prismenbrille: Kompensationsprisma oder Trainingsprisma?
Viele Ratgeber erklären lediglich, dass eine Prismenbrille eine Augenfehlstellung korrigiert. Tatsächlich gibt es jedoch unterschiedliche Einsatzbereiche von Prismen – und dieser Unterschied ist wichtig.
Kompensationsprisma
Das Kompensationsprisma (auch Entlastungsprisma genannt) gleicht eine bestehende Augenfehlstellung optisch aus. Die Stellung der Augen selbst verändert sich dabei nicht. Stattdessen verschiebt die Prismenbrille das Bild so, dass beide Augen wieder komfortabel zusammenarbeiten können. Die Korrektur erfolgt dauerhaft über das Brillenglas.
Trainingsprisma
Das Trainingsprisma verfolgt einen anderen Ansatz. Hier dient das Prisma als Bestandteil einer Sehtherapie und wird gezielt eingesetzt, um die Zusammenarbeit des visuellen Systems zu trainieren. Ziel ist es, die Augenfunktion langfristig zu verbessern und den Bedarf an Prismenkorrektur im Idealfall schrittweise zu reduzieren.
Jochprisma (Yoked Prism)
Daneben gibt es noch das sogenannte Jochprisma (Yoked Prism). Dabei besitzen beide Brillengläser dieselbe Basisrichtung. Anders als bei einer klassischen Prismenbrille zur Korrektur einer Augenfehlstellung werden die beiden Augen nicht aufeinander ausgerichtet. Stattdessen wird das gesamte Gesichtsfeld in eine Richtung verschoben.
Diese Form der Prismenkorrektur kommt unter anderem in der neurologischen Rehabilitation zum Einsatz, beispielsweise nach einem Schlaganfall bei Gesichtsfeldausfällen oder einem Neglect-Syndrom. Einige Therapeuten nutzen sie außerdem zur Unterstützung von Haltung und Gleichgewicht. Ihr Einsatz wird jedoch kontroverser diskutiert als der eines Kompensationsprismas, und selbst erfahrene Fachleute vertreten hierzu teilweise unterschiedliche Auffassungen.
Die richtige Prismenkorrektur erfordert klinische Erfahrung
Ein wichtiger Punkt gilt grundsätzlich für jede Prismenbrille: Ob überhaupt eine Prismenkorrektur erforderlich ist und wie stark sie ausfallen sollte, lässt sich nicht allein anhand eines Messwertes entscheiden. Es handelt sich immer um eine fachliche und klinische Beurteilung.
Unterschiedliche Messmethoden können bei derselben Person leicht voneinander abweichende Ergebnisse liefern. Ebenso bewerten Augenärzte und Augenoptiker die gemessenen Werte und die tatsächlich empfundenen Beschwerden nicht immer identisch.
Wenn Sie deshalb das Gefühl haben, dass eine empfohlene Prismenbrille nicht eindeutig zu Ihren Beschwerden passt, ist eine zweite fachliche Meinung völlig legitim. Eine Zweitmeinung einzuholen ist kein Misstrauen gegenüber dem ersten Arzt, sondern ein üblicher Bestandteil einer sorgfältigen medizinischen Entscheidungsfindung.

Machen Prismenbrillen abhängig?
Macht eine Prismenbrille abhängig?
Diese Frage wird in Augenarztpraxen und Optikgeschäften immer wieder gestellt – und sie verdient eine ehrliche, sachliche Antwort.
Bei manchen Menschen nimmt die gemessene Augenfehlstellung nach einiger Zeit trotz einer Prismenbrille zu. Die ursprünglich verordnete Prismenkorrektur reicht dann nicht mehr aus. Augenärzte und Augenoptiker sprechen in solchen Fällen gelegentlich davon, dass ein Patient die Prismenwirkung „aufbraucht“. Bei vielen anderen Menschen – vermutlich sogar bei der Mehrheit – bleibt die Verordnung einer Prismenbrille dagegen über viele Jahre hinweg unverändert.
Ob diese Veränderung darauf zurückzuführen ist, dass sich die Augen an die Unterstützung durch die Prismenbrille „gewöhnen“, oder ob sich die zugrunde liegende Augenfehlstellung ohnehin weiterentwickelt hätte, lässt sich wissenschaftlich bislang nicht eindeutig beantworten. Entscheidend ist außerdem die jeweilige Ursache der Augenfehlstellung, denn sie beeinflusst den weiteren Verlauf maßgeblich.
Aus praktischer Sicht ergibt sich daraus eine einfache Konsequenz: Die Wirkung einer Prismenbrille sollte regelmäßig kontrolliert werden. Kehren Beschwerden nach einigen Monaten zurück oder verändern sie sich, bedeutet das nicht, dass die Brille versagt hat. Vielmehr ist es ein Hinweis darauf, dass Ihre Prismenkorrektur erneut überprüft und gegebenenfalls angepasst werden sollte.
Kein guter Weg ist es hingegen, Beschwerden bewusst ohne Korrektur auszuhalten. Wenn Ihre Augen den ganzen Tag versuchen müssen, die Fehlstellung durch Muskelarbeit auszugleichen, kann dies zu anhaltender Augenbelastung, Kopfschmerzen und schneller Ermüdung führen. Eine korrekt angepasste Prismenbrille soll genau diese unnötige Anstrengung reduzieren und ein entspanntes beidäugiges Sehen ermöglichen.
Prismenbrille: Fresnel-Prismen als vorübergehende Lösung
Fresnel-Prismen – Die vorübergehende Alternative zur Prismenbrille
Bevor eine Prismenkorrektur dauerhaft in die Gläser einer Prismenbrille eingearbeitet wird, gibt es eine Zwischenlösung, die Sie kennen sollten.
Ein Fresnel-Prisma ist eine dünne, flexible Kunststofffolie mit zahlreichen feinen Prismenstrukturen. Sie wird mithilfe von Wasser auf die Innenseite eines vorhandenen Brillenglases aufgebracht und haftet dort allein durch Oberflächenspannung. Fresnel-Prismen sind kostengünstig, wieder abnehmbar und ermöglichen auch höhere Prismenkorrekturen, die sich in herkömmlichen Brillengläsern oft nur eingeschränkt realisieren lassen.
Diese Lösung bringt jedoch auch einige Nachteile mit sich. Die Sehqualität kann leicht beeinträchtigt werden, die Folie ist aus kurzer Entfernung sichtbar und neigt dazu, Schmutz oder Staub anzusammeln. Aus diesem Grund werden Fresnel-Prismen meist nur vorübergehend eingesetzt.
Typische Anwendungsbereiche sind die Erholung nach einer Augenmuskel- oder Hirnnervenlähmung, die Zeit nach einer Schieloperation oder Situationen, in denen sich die Augenfehlstellung noch verändern kann. Ebenso dienen sie häufig als Verträglichkeitstest, bevor eine dauerhafte Prismenbrille mit fest eingeschliffener Prismenkorrektur angefertigt wird.
Wenn bei Ihnen eine stärkere Prismenkorrektur erforderlich ist und Sie noch unsicher sind, ob eine dauerhaft angepasste Prismenbrille die richtige Wahl ist, kann es sinnvoll sein, Ihren Augenarzt oder Augenoptiker nach einem Fresnel-Prisma als vorübergehende Testlösung zu fragen.

Was verändert sich im Alltag mit einer Prismenbrille?
Der Rand des Brillenglases kann dicker sein
Dass ein Brillenglas einer Prismenbrille an einer Seite dicker ist, ist kein Herstellungsfehler, sondern eine unvermeidbare Folge der Prismenkorrektur. Wie deutlich dieser Unterschied sichtbar wird, hängt vor allem von der Glasgröße ab. Ein Glas mit einer Breite von 50 mm weist bei derselben Prismenwirkung deutlich weniger Randdicke auf als ein 56-mm-Glas. Zusätzlich spielt auch der Brechungsindex des Glases eine Rolle. Vollrandfassungen kaschieren die stärkere Glaskante meist sehr gut, während randlose oder halbrandlose Fassungen sie stärker sichtbar machen.
Die Prismenkorrektur kann auf beide Augen verteilt werden
Ist beispielsweise eine Korrektur von 4 Δ Basis außen erforderlich, kann sie häufig als 2 Δ Basis außen pro Auge ausgeführt werden. Dadurch wird die Randdicke beider Gläser reduziert. Ob diese Aufteilung sinnvoll ist, entscheidet jedoch der Augenarzt oder Augenoptiker anhand der individuellen Situation – nicht aus rein kosmetischen Gründen. Es ist dennoch völlig legitim, diese Möglichkeit anzusprechen.
Die Pupillendistanz (PD) ist bei einer Prismenbrille besonders wichtig
Für eine Prismenbrille sollte die Pupillendistanz möglichst monokular, also für jedes Auge einzeln, gemessen werden. Nur so befindet sich der optische Mittelpunkt jedes Brillenglases exakt an der berechneten Position. Bereits kleine Abweichungen können die Wirkung der Prismenkorrektur beeinflussen.
Ein weiterer wichtiger Punkt wird häufig unterschätzt: Wird ein Brillenglas dezentriert, entsteht automatisch eine Prismenwirkung – auch wenn gar keine Prismenkorrektur verordnet wurde. Je höher die Sehstärke, desto stärker wirkt sich bereits ein kleiner Zentrierfehler aus. Deshalb können selbst ansonsten korrekt gefertigte Brillen bei einer ungenauen PD-Messung Kopfschmerzen oder Augenbelastung verursachen. Bei einer Prismenbrille ist eine präzise Zentrierung deshalb besonders entscheidend.
Kontaktlinsen sind in der Regel keine Alternative
Eine Prismenkorrektur lässt sich nur in Ausnahmefällen mit Kontaktlinsen realisieren. Weiche Kontaktlinsen können sich auf dem Auge leicht verdrehen. Dadurch verändert sich auch die Ausrichtung des Prismas, sodass die gewünschte Wirkung verloren geht. Aus diesem Grund wird eine Prismenbrille in den allermeisten Fällen einer Kontaktlinsenversorgung vorgezogen.
Eine kurze Eingewöhnungszeit ist normal
Nach dem ersten Tragen einer Prismenbrille benötigen viele Menschen einige Tage bis etwa zwei Wochen, um sich an die neue Bildwahrnehmung zu gewöhnen. Anfangs kann die Umgebung leicht verschoben wirken, weshalb beim Treppensteigen oder an Bordsteinkanten etwas mehr Aufmerksamkeit sinnvoll ist. Halten Beschwerden jedoch länger an, sollten Sie Ihren Augenarzt oder Augenoptiker informieren, anstatt sich dauerhaft daran zu gewöhnen.
Jede Brille benötigt dieselbe Prismenkorrektur
Wenn Sie zusätzlich eine Sonnenbrille, eine Computerbrille oder eine Ersatzbrille tragen, sollte auch diese dieselbe Prismenkorrektur enthalten. Eine Brille ohne die erforderliche Prismenwirkung verhält sich nicht wie Ihre Prismenbrille und kann die ursprünglichen Beschwerden erneut hervorrufen.

Was eine Prismenbrille nicht leistet
Was eine Prismenbrille nicht leisten kann
Eine Prismenbrille macht das Sehen nicht schärfer.
Die Bildschärfe wird ausschließlich durch die Sehstärke Ihres Brillenrezepts bestimmt. Eine Prismenbrille verändert lediglich die Position des wahrgenommenen Bildes, damit beide Augen wieder korrekt zusammenarbeiten können.
Eine Prismenbrille trainiert die Augenmuskeln nicht.
Ein Kompensationsprisma gleicht eine bestehende Augenfehlstellung optisch aus und entlastet dadurch die Augenmuskeln. Es dient nicht dazu, die Augenmuskeln zu stärken oder ihre Funktion gezielt zu trainieren.
Eine Prismenbrille behandelt nicht die Ursache der Augenfehlstellung.
Warum die Augen nicht korrekt zusammenarbeiten, muss immer augenärztlich abgeklärt werden. Treten Doppelbilder oder andere Beschwerden erstmals auf oder verschlimmern sie sich, sollte die Ursache zeitnah untersucht werden, bevor eine Prismenkorrektur in Betracht gezogen wird.
Eine Prismenbrille darf nicht selbst verordnet werden.
Die erforderliche Basisrichtung und die Stärke einer Prismenkorrektur lassen sich nicht zuverlässig zu Hause bestimmen. Schon eine kleine Abweichung kann dazu führen, dass sich Beschwerden wie Doppelbilder, Kopfschmerzen oder Augenbelastung sogar verstärken, anstatt sich zu bessern. Deshalb sollte eine Prismenbrille ausschließlich auf Grundlage einer professionellen Untersuchung durch einen Augenarzt oder Augenoptiker angefertigt werden.
Wo Sie mehr erfahren können
Verlässliche Informationsquellen zur Prismenbrille und zu Augenfehlstellungen
Gerade weil das Thema Prismenbrille eng mit der Augenheilkunde verbunden ist, lohnt es sich, Informationen aus unabhängigen und medizinisch anerkannten Quellen zu nutzen. Die EyeSmart-Plattform der American Academy of Ophthalmology (AAO), die American Optometric Association (AOA) sowie das National Eye Institute (NEI) bieten verständliche Informationen zu Doppelbildern (Diplopie), Schielen und Störungen des beidäugigen Sehens.
Geht es um Augenfehlstellungen bei Kindern, gilt die American Association for Pediatric Ophthalmology and Strabismus (AAPOS) als eine der wichtigsten Fachgesellschaften auf diesem Gebiet.
Keine dieser Organisationen kann jedoch festlegen, welche Prismenbrille oder Prismenkorrektur Sie persönlich benötigen. Die passende Verordnung lässt sich ausschließlich durch eine umfassende augenärztliche oder augenoptische Untersuchung bestimmen.

Die Kurzfassung
Eine Prismenbrille macht das Sehen nicht schärfer. Ihre Aufgabe besteht darin, das Bild um einen exakt berechneten Betrag zu verschieben, sodass beide Augen trotz einer leichten Fehlstellung wieder harmonisch zusammenarbeiten können. Für manche Menschen bedeutet das das Ende von Doppelbildern. Für viele andere verschwinden Kopfschmerzen oder Augenbelastungen, an die sie sich längst gewöhnt hatten.
Wenn auf Ihrem Brillenrezept eine Prismenkorrektur angegeben ist, sollten Sie vor der Bestellung genau verstehen, was die einzelnen Werte bedeuten – insbesondere die Prismenstärke (Δ), die Basisrichtung sowie die Zuordnung zum rechten oder linken Auge. Ausführliche Informationen dazu finden Sie in unserem Ratgeber „Wie liest man ein Brillenrezept?“.
Wenn Sie Ihre Prismenbrille bestellen möchten, fertigt Aoolia jedes Brillenglas exakt nach den von Ihrem Augenarzt verordneten Prismenwerten an. Vor der Fertigung wird jede Bestellung zusätzlich von einem qualifizierten Augenoptiker sorgfältig geprüft, um höchste Präzision und Qualität sicherzustellen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über die Prismenkorrektur und ersetzt keine augenärztliche Beratung oder Untersuchung. Eine Prismenbrille sollte ausschließlich auf Grundlage einer Verordnung durch einen Augenarzt oder eine andere qualifizierte augenmedizinische Fachkraft angefertigt werden.
