Sonnenbrillen Marken: Wofür jede Marke gegründet wurde – und was das heute für Ihren Kauf bedeutet
Ordnen Sie Marken nicht nach Bekanntheit, sondern nach dem Problem, für das sie einmal gegründet wurden. Dazu: was unabhängige Tests über Preis und UV-Schutz zeigen, und eine Vier-Fragen-Probe für den Service nach dem Kauf.
Gründungsjahre der Marken in diesem Ratgeber
- 1877Rodenstock
- 1888Julbo
- 1917Persol
- 1926uvex
- 1935Polaroid
- 1936Ray-Ban
- 1956Carrera
- 1975Oakley
- 1980Maui Jim
- 1983Serengeti
- Berg und Seitenschutz
- Piloten und Fahrer
- Polarisation
- Glas und Tönung
- Sport und Schutz
In diesem Ratgeber
Die meisten Listen zu Sonnenbrillen-Marken sortieren nach Bekanntheit oder Preis. Beides hilft wenig bei der eigentlichen Frage: Welche Marke passt zu dem, wofür Sie die Brille brauchen – Bergtour, Autobahn, Radrunde, Stadt?
Dieser Ratgeber stellt deshalb eine andere Frage an jede Marke: Wofür wurde sie ursprünglich gegründet? Viele bekannte Namen begannen mit einem sehr konkreten Problem – Gletscherlicht, Blendung im Cockpit, Spiegelungen auf dem Wasser. Dieses Ursprungskönnen ist oft bis heute das, was die Marke am glaubwürdigsten beherrscht.
Dazu kommen zwei Dinge, die in Markenlisten fast immer fehlen: was unabhängige Tests über Preis und UV-Schutz herausgefunden haben, und wie Sie vor dem Kauf prüfen, ob eine Marke Ihnen auch nach drei Jahren noch ein Ersatzglas verkauft.

Die Gründungsfrage: Sonnenbrillen-Marken nach ihrem Ursprungskönnen
Ordnet man bekannte Sonnenbrillen-Marken nicht nach Ruhm, sondern nach dem Problem, für das sie gegründet wurden, ergeben sich sechs Gruppen. Jede Gruppe beantwortet eine andere Kaufsituation.
Berg und Seitenschutz
Julbo: 1888 von Jules Baud in Morez (Jura) gegründet; die ersten Bergbrillen entstanden auf Wunsch der Kristallsucher von Chamonix, das Gletschermodell Vermont von 1950 wurde zur Bergsteigerbrille.
in großer Höhe, auf Schnee oder Gletscher unterwegs sind und Licht von der Seite abhalten müssen.
Piloten und Fahrer
Persol: 1917 in Turin, ursprünglich für Piloten und Rennfahrer, der Name kommt von „per il sole“.
Ray-Ban: 1936 bei Bausch & Lomb als Blendschutz für Piloten des US Army Air Corps entwickelt, 1939 als Aviator patentiert.
eine Brille für lange Fahrten suchen und eine Form wollen, die seit Jahrzehnten unverändert gebaut wird.
Polarisation
Polaroid: Edwin Land entwickelte 1929 das erste kommerzielle Polarisationsmaterial, ab 1935 entstanden daraus Sonnenbrillen.
Maui Jim: 1980 auf Maui gegründet, von Anfang an auf polarisierte Gläser spezialisiert.
viel am Wasser, auf nassen Straßen oder im Schnee sind, wo Spiegelungen blenden.
Glas und Tönung
Serengeti: 1983 vom Glashersteller Corning gegründet, Schwerpunkt selbsttönende (photochrome) und polarisierte Gläser.
Rodenstock: 1877 in Würzburg als Präzisionswerkstatt für Barometer, Brillengläser und Fassungen gegründet; 2023 wurde das Fassungsgeschäft an De Rigo verkauft, Rodenstock selbst konzentriert sich auf Gläser.
wechselndes Licht haben (Tunnel, Wolken, Wald) oder auf die Glasqualität mehr Wert legen als auf die Fassung.
Sport und Schutz
uvex: 1926 als Werkstatt für Schutzbrillen in Fürth-Poppenreuth gegründet; der Name entstand 1956 als Abkürzung für „ultra violet excluded“.
Oakley: 1975 mit Motorradgriffen gestartet, 1980 die erste Goggle, 1984 die erste Sonnenbrille.
Carrera: 1956 in Österreich als Sportbrillenhersteller von Wilhelm Anger gegründet.
Rad fahren, laufen oder Ski fahren und eine Brille brauchen, die bei Bewegung sitzt.
Die Kaufregel dahinterKaufen Sie eine Marke möglichst in dem Bereich, in dem sie angefangen hat. Dort hat sie die längste Entwicklungsgeschichte, die meisten Modelle im Sortiment und meist auch den besten Ersatzteil-Nachschub.
Die Regel hat Grenzen, und die sollten Sie kennen:
- Viele dieser Marken gehören heute großen Brillenkonzernen. Das Ursprungskönnen kann im Sortiment weiterleben oder nur noch im Namen stecken. Entscheidend ist das konkrete Modell, nicht die Firmengeschichte.
- Ein Markenname wandert manchmal. Carrera begann als Sportbrillenmarke; ob ein heutiges Carrera-Modell eine Sport- oder eine Modefassung ist, steht in der Modellbeschreibung, nicht im Logo.
- Modemarken haben kein optisches Gründungskönnen. Bei Sonnenbrillen von Modehäusern kommt die Brillenkompetenz vom Hersteller im Hintergrund. Wie diese Lizenzkette funktioniert, erklärt unser Ratgeber zu Designer-Sonnenbrillen für Damen.
Deutsche Sonnenbrillen-Marken: Herkunft ist nicht gleich Herstellungsort
Vier der Marken aus der Übersicht stammen aus Deutschland, und sie decken drei sehr verschiedene Ursprungskönnen ab:
uvex
Fürth
Kommt aus dem Arbeitsschutz. Schutzbrillen waren das erste Produkt, Sport kam später dazu.
Rodenstock
gegründet in Würzburg, heute München
Ein Glashersteller. Seit dem Verkauf des Fassungsgeschäfts 2023 liegt die eigene Stärke klar beim Glas.
ic! berlin und Mykita
beide Berlin
Stehen für Metallfassungen ohne Schraubscharniere. Mykita montiert nach eigenen Angaben alle Produkte in der Berliner Manufaktur von Hand.
Wer gezielt nach deutschen Sonnenbrillen-Marken sucht, sucht oft eigentlich „Made in Germany“. Das ist nicht dasselbe: Der Firmensitz sagt nichts darüber, wo eine bestimmte Brille gefertigt wurde.
Bei Mykita ist die Berliner Montage Teil des Markenversprechens; bei anderen Marken steht der Fertigungsort, wenn überhaupt, in der Produktbeschreibung oder auf der Bügelinnenseite. Fragen Sie im Zweifel nach dem Herkunftsland des konkreten Modells.
Was der Markenname nicht ändert: UV-Schutz ist Pflicht, kein Markenvorteil
Jede Sonnenbrille, die in der EU verkauft wird, braucht eine CE-Kennzeichnung und eine Filterkategorie von 0 bis 4. Diese Pflichten gelten für die 10-Euro-Brille aus der Drogerie genauso wie für das Modell aus der Flagship-Boutique. Unabhängige Tests im deutschsprachigen Raum zeigen seit über 20 Jahren dasselbe Muster:
| Test | Umfang | UV-Schutz | Was den Unterschied machte |
|---|---|---|---|
| Stiftung Warentest, 2018Test des österreichischen Magazins Konsument | 17 Kindersonnenbrillen | bei allen Modellen gegeben | Seitenschutz durch Glasform und Bügelbreite; ein Metallmodell war mit Chrom belastet. Vorn lagen Modelle für 5 und 10 Euro |
| Stiftung Warentest, 2005 | 20 Sonnenbrillen und ein Brillenvorsatz | alle hielten UV-Strahlung ab | Verarbeitung, Material, Kennzeichnung. Eine gute Brille gab es ab 8 Euro; ein Modell war als Kategorie 3 ausgewiesen, erreichte aber nur Kategorie 2 |
| Kassensturz (SRF), 2003 | rund 16 Erwachsenen- und Kindermodelle, geprüft beim Schweizerischen Optikerverband | alle schützten gut | Glasqualität und Glasbefestigung. Ein Markenmodell für 178 Franken hatte verformte Gläser; das günstigste Modell für 49.90 Franken bekam die Bestnote |
Die Tests sind nicht neu, und ein aktueller, breit angelegter Sonnenbrillen-Vergleich aus Deutschland ist uns nicht bekannt. Das Ergebnis ist aber über drei Tests und 15 Jahre stabil: UV-Schutz kaufen Sie mit jeder ordentlich gekennzeichneten Sonnenbrille. Was eine Marke tatsächlich unterscheidet, liegt woanders:
Optische Qualität
Verzerrungsfreie Gläser sind keine Selbstverständlichkeit, auch nicht bei teuren Modellen.
Ehrliche Kennzeichnung
Die Filterkategorie muss stimmen, sonst ist die Brille dunkler oder heller als angegeben.
Seitenschutz
Form und Bügelbreite entscheiden, wie viel Licht von der Seite einfällt.
Material und Verarbeitung
Glasbefestigung, Scharniere, Schadstofffreiheit.
Service nach dem Kauf
Der Punkt, der in keinem Labortest auftaucht – und um den es im nächsten Abschnitt geht.
Die Nachkauf-Probe: Was eine Marke nach drei Jahren zeigt
Viele Sonnenbrillen landen nicht wegen eines Herstellungsfehlers in der Schublade, sondern wegen eines verkratzten Glases, eines verlorenen Nasenpads oder eines verbogenen Bügels. Ob Sie dann reparieren oder neu kaufen, entscheidet sich schon beim ersten Kauf. Vier Fragen klären das in wenigen Minuten:
-
Gibt es Ersatzgläser für genau dieses Modell?
Suchen Sie auf der Website der Marke nach der Modellnummer, die meist auf der Innenseite des Bügels steht. Ein Beispiel: Oakley verkauft für die Holbrook (Modellnummer OO9102) offizielle Ersatzgläser für 68 Euro (Stand: Oktober 2026), ausdrücklich nur für dieses Modell passend.
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Wie lange gibt es das Modell schon?
Ein Modell, das seit Jahren im Sortiment ist, hat meist auch einen Ersatzteilmarkt – teils von der Marke selbst, teils von Drittanbietern. Der Ray-Ban Aviator wird seit 1939 gebaut. Ein Saisonmodell, das nach einem Sommer aus dem Katalog verschwindet, ist nach dem ersten tiefen Kratzer oft ein Fall für den Neukauf.
-
Lassen sich Verschleißteile tauschen?
Nasenpads, Schrauben und Bügelenden nutzen sich ab. Bei schraubenlosen Konstruktionen wie denen von ic! berlin oder Mykita werden Teile anders getauscht als bei klassischen Scharnieren; fragen Sie, ob Ersatzbügel und Pads einzeln erhältlich sind.
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Wer repariert, und über welchen Weg?
Die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren gilt für jede Marke gleich. Eine Herstellergarantie ist eine freiwillige Zusatzleistung – lesen Sie, was sie abdeckt (Glas? Kratzer? Scharnier?) und ob Sie sich an den Händler oder direkt an die Marke wenden.
Drei oder vier Ja-Antworten
Ein höherer Preis kann sich über die Jahre verteilen, weil Sie Teile statt Brillen nachkaufen.
Null oder ein Ja
Sie zahlen für den Namen, nicht für die Lebensdauer. Dann kann eine günstigere Brille mit korrekter Filterkategorie die ehrlichere Wahl sein.
Kurze Antworten
Welche Sonnenbrillen-Marken sind die bekanntesten?
Zu den bekanntesten zählen Ray-Ban, Oakley, Persol, Carrera, Polaroid und Maui Jim. Bekanntheit sagt allerdings wenig darüber, ob eine Marke zu Ihrem Einsatz passt. Hilfreicher ist die Frage, aus welchem Bereich eine Marke kommt.
Schützen teure Marken besser vor UV-Strahlung?
Nein. In den Tests von Stiftung Warentest und Kassensturz hielten alle geprüften Brillen UV-Strahlung ab, auch Modelle für 5 bis 10 Euro. Unterschiede zeigten sich bei Glasqualität, Kennzeichnung, Seitenschutz und Verarbeitung.
Welche Sonnenbrillen-Marken kommen aus Deutschland?
Unter anderem uvex (Fürth), Rodenstock (München), ic! berlin und Mykita (beide Berlin). Der Firmensitz sagt aber nichts darüber, wo ein einzelnes Modell gefertigt wurde.
Welche Marke ist die richtige für Sport?
Schauen Sie zuerst bei Marken, die aus Sport oder Schutz kommen, etwa uvex oder Oakley, und für die Berge bei Julbo. Wichtiger als der Name sind Sitz bei Bewegung, Seitenschutz und ob es Ersatzgläser gibt.
Welche Marken sind auf polarisierte Gläser spezialisiert?
Polaroid und Maui Jim haben Polarisation zum Kern ihrer Marke gemacht. Prüfen Sie trotzdem das einzelne Modell: Im Kassensturz-Test von 2003 fiel ausgerechnet ein Polaroid-Modell mit Mängeln auf.
Lohnt sich eine Markensonnenbrille?
Wenn die Marke für Ihren Einsatz gegründet wurde und die Nachkauf-Probe mindestens drei Ja-Antworten ergibt, ja – dann bezahlen Sie für eine Brille, die Sie reparieren statt ersetzen. Sonst zahlen Sie vor allem für das Logo.
Und Aoolia?
Aoolia ist keine der Traditionsmarken aus der Übersicht, sondern eine Direktmarke, die Fassungen und Gläser online verkauft. Die Gründungsfrage beantwortet sich hier anders: Der Schwerpunkt liegt auf Auswahl, virtueller Anprobe und Sonnenbrillen, die auch mit Sehstärke bestellt werden können.
Wenden Sie die Nachkauf-Probe trotzdem auch auf Aoolia an. Bei einem niedrigen Kaufpreis verschiebt sich die Rechnung: Ein Ersatzglas lohnt sich dann seltener als eine neue Brille, und Rückgaberecht sowie Garantie werden wichtiger als Ersatzteile.
Sonnenbrillen bei Aoolia ansehenQuellen
- Stiftung Warentest: Kindersonnenbrillen im Test – Sehr guter UV-Schutz für wenig Geld (2018)
- Stiftung Warentest: Sonnenbrillen – Mangelhaft für H&M (2005)
- SRF Kassensturz: Sonnenbrillen im Test (2003)
- uvex group: 100 Jahre uvex
- Julbo: Legacy
- Oakley: Holbrook Ersatzgläser
- Wikipedia: Persol, Ray-Ban, Polaroid Eyewear, Maui Jim, Serengeti Eyewear, Rodenstock GmbH, Oakley, Carrera Sunglasses, ic! berlin, Mykita
